KI-Hype an der Börse: Fundament oder Luftnummer?
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Die sogenannte Künstliche Intelligenz hat sich in kürzester Zeit zu einem allgegenwärtigen Trend entwickelt. Von KI-unterstützten Programmen in Unternehmen bis zu KI-Features auf Smartphones – Millionen Menschen nutzen die Technologie täglich. Doch während die KI-Revolution unseren Alltag durchdringt, stellt sich an den Börsen eine brisante Frage: Handelt es sich um einen nachhaltigen Megatrend oder droht eine spekulative Blase, ähnlich der Dotcom-Krise?
Was dran ist am KI-Hype an den Börsen
Vieles, was heute als Megatrend Künstliche Intelligenz bezeichnet wird, ist nicht nur kursmäßig auf Fantasie aufgebaut, sondern tatsächlich auf einem grundsoliden Fundament, meint Chris-Oliver Schickentanz, Kapitalmarktstratege bei der Capitell Vermögens-Management AG. Die Umsatzzahlen von Nvidia etwa hätten sich binnen kürzester Zeit vervierfacht. Und das schlage sich dann auch entsprechend in den Kurssteigerungen nieder.
Auch Börsenprofi Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, sieht KI als einen Hype, der jedoch auf einem realen Fundament gründet. Die Unternehmen seien zwar sehr hoch bewertet, aber die Künstliche Intelligenz sei etwas, „was für mich gleichbedeutend ist mit der Erfindung der Dampfmaschine oder der Eisenbahn. Das wird auf jeden Fall die Produktivität der Volkswirtschaften nach vorne bringen“. KI werde immer stärker eingesetzt, auch in kleinsten Bereichen, etwa beim Arzt, und damit sei auch nach wie vor Potenzial in den Aktienmärkten.
Kritik an der Entwicklung der KI-Unternehmen
Aktuell warnen sehr viele kritische Stimmen davor, dass in Sachen Künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren richtig viel Geld verbrannt werden wird. Selbst Sam Altman, der Chef von OpenAI, vertritt diese Meinung – aber er meint damit selbstverständlich nicht sein eigenes Unternehmen.
Auch David Solomon, Chef der Investmentbank Goldman Sachs, ist dem eigenen Vernehmen nach beunruhigt, weil viele Unternehmen an den Börsen so gigantisch hoch bewertet würden. Denn das, was gerade passiert, ist eine große Wette auf die Zukunft. Fast täglich werden neue, riesige Investitionen angekündigt in KI-Unternehmen oder vor allem in die Infrastruktur, die sie benötigen: riesige Rechenzentren, Serverfarmen, die in den USA auf die grüne Wiese gestellt werden.
Aber noch verdient OpenAI kein Geld. Im Gegenteil, das Unternehmen verbrennt es vor allem und dabei ist offen, ob es am Ende überhaupt das Rennen machen wird. Vielleicht wird ja eine chinesische KI der große Gewinner, oder eine aus Saudi-Arabien. Die benötigen aktuell weniger Rechenpower und sind damit energieeffizienter.
Marktkonzentration in den USA
Mittendrin im Börsenboom sind etwa der Chiphersteller Nvidia und auch sonst praktisch alle IT-Platzhirsche in den USA wie Amazon, Google, Microsoft oder die Facebook-Mutter Meta. Sie alle haben ihren Teil zu den jüngsten Rekorden an den US-Aktienmärkten beigetragen. Hier liegt aber auch eines der Probleme: die sehr hohe Marktkonzentration. Dadurch sind die Technologieunternehmen, die sich mit KI beschäftigen, möglicherweise viel zu abhängig voneinander.
Ein Beispiel: Der Chiphersteller Nvidia investiert 100 Milliarden Euro in OpenAI. Mit dem Geld von Nvidia baut OpenAI neue Rechenzentren. In denen werden genau die Prozessoren verwendet, die Nvidia liefert. Das Ganze ist also eine Art Ringtausch. Die Unternehmen machen Geschäfte untereinander, steigern damit ihren Umsatz und treiben so ihre Bewertungen in die Höhe. Doch wenn eines von beiden finanzielle Probleme bekommen sollte, dann wackelt das andere gleich mit. Und in der Folge möglicherweise noch viele weitere kleinere Unternehmen, die ebenfalls involviert sind.
Erinnerungen an die Dotcom-Blase
Das Szenario erinnert an die letzte große Börsenblase, die sogenannte Dotcom-Bubble vor 25 Jahren. Damals wurde auch sehr viel Geld in eine Infrastruktur investiert, für die es noch keine Nachfrage gab. In der frühen Phase des Internets kurz vor der Jahrtausendwende gingen fast täglich neue Firmen an die Börsen, und ihre Kurse schossen oft sofort steil nach oben. Manch einer dachte damals, dass das Internet so revolutionär sei, dass die gewöhnlichen Bewertungsmaßstäbe für Aktien, wie der Umsatz oder der Gewinn eines Unternehmens, nicht mehr zählen.
„Damals konnten sie nicht zum Friseur gehen, ohne dass sie vom Friseur gefragt wurden, ob sie diese oder jene Aktie bei der Neuemission zugeteilt bekommen haben oder nicht.“ – Klaus Nieting, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
Bei vielen blieb das so – und die Blase platzte im Jahr 2000. Der Kurs der Aktie von Amazon zum Beispiel brach um 94 Prozent ein. Und es dauerte Jahre, bis er sich wieder erholte.
Die Folgen eines möglichen Endes des KI-Hypes
Ein Ende des KI-Hypes in den USA hätte enorme Auswirkungen. Denn ohne die brummende KI-Branche würde die Wirtschaft der USA derzeit nicht wachsen, sondern schrumpfen. Die Ausgaben für den Bau von Rechenzentren sind so groß, dass die US-Wirtschaft laut der Deutschen Bank nur wegen der Ausgaben für diese Rechenzentren wächst.
Wenn die Wirtschaft der USA nicht mehr wachsen würde, wären die Folgen weltweit spürbar. Noch größer wird das Problem dadurch, dass anders als sonst bei Startups oder Risikoinvestments auch viele Banken und Pensionsfonds in KI-Unternehmen investiert haben. Diese verwalten auch Geld von Menschen in Europa und Deutschland. Darüber hinaus sind auch in vielen Indexfonds, den Exchange Traded Funds (ETFs), automatisch Aktien von Technologieunternehmen aus den USA enthalten. ETFs sind vor allem bei Kleinaktionären und für die Altersvorsorge beliebt. Ein Crash bei den Technologiewerten würde also auch sie hart treffen.
Was tun als Anleger?
Wer meint, jetzt noch schnell einsteigen und sich Unternehmenspapiere von KI-Unternehmen in sein Depot legen zu müssen, sollte lieber noch einmal überlegen. Denn die Börsen befinden sich gerade auch wegen des KI-Hypes auf Rekordniveau. Anleger sollten es vermeiden, sich von Hypes anstecken zu lassen. Denn die haben die unangenehme Eigenschaft, wie der Dotcom-Hype um die Jahrtausendwende, wie eine Blase zu platzen. Die vermeintliche Trauminvestition in KI-Unternehmen könnte sich dann als Luftnummer erweisen.
FAQ
Was ist eine Börsenblase? Eine Börsenblase entsteht, wenn die Kurse von Aktien oder anderen Anlageklassen stark über ihren inneren Wert steigen, getrieben durch Spekulation und übertriebene Erwartungen. Wenn die Blase platzt, fallen die Kurse meist drastisch.
Wie unterscheidet sich der aktuelle KI-Hype von der Dotcom-Blase? Beide Phasen sind durch hohe Investitionen in eine neue Technologie und überhöhte Bewertungen gekennzeichnet. Im Gegensatz zur Dotcom-Zeit haben viele KI-Unternehmen jedoch bereits reale Umsätze und Produkte, was das Fundament stabiler macht.
Welche Risiken bestehen für Anleger? Neben einer möglichen Blase drohen Verluste durch Marktkonzentration und Abhängigkeiten zwischen den großen Tech-Konzernen. Zudem sind viele KI-Firmen noch nicht profitabel.
Sollte ich jetzt in KI-Aktien investieren? Experten raten zur Vorsicht: Statt auf Hypes zu setzen, sollte eine breite Diversifikation und eine langfristige Anlagestrategie verfolgt werden.
Quellen
- Deutschlandfunk: Der Hype um Künstliche Intelligenz - alles nur eine Börsenblase? (https://www.deutschlandfunk.de/ki-platzt-die-boersen-blase-100.html)