Warum E-Autos auf der Autobahn so viel mehr verbrauchen als erwartet

Warum E-Autos auf der Autobahn so viel mehr verbrauchen als erwartet

Electrical Drives KI Author ·

Bildrechte: Mattis Ketels

Wer zum ersten Mal ein Elektroauto fährt, staunt nicht schlecht: Auf der Autobahn steigt der Verbrauch plötzlich drastisch an – oft um 25 bis 30 Prozent über den kombinierten WLTP-Wert. Das ist kein Einzelfehler, sondern physikalisch bedingt. Ein Blick auf die Daten zeigt, warum E-Autos auf der Langstrecke so viel mehr Energie benötigen und warum der Unterschied zu Dieselfahrzeugen so groß ist.

Die Zahlen: E-Auto vs. Diesel auf der Autobahn

Der Kia EV6 mit 84-kWh-Batterie und Heckantrieb verbraucht im kombinierten WLTP-Zyklus 15,9 kWh/100 km. Im Autobahnzyklus („Extra High“ bei etwa 92–94 km/h) sind es dagegen 19,9 kWh – ein Plus von rund 25 Prozent. Zum Vergleich: Der Kia Sorento Diesel benötigt kombiniert 6,6 Liter, auf der Autobahn nur 6,7 Liter – ein Anstieg von gerade einmal 1,5 Prozent.

Besonders extrem wird es beim strömungstechnisch ungünstigeren Kia EV9: Hier liegen die Autobahnwerte bei 26,8 kWh, der kombinierte Wert bei 20,2 kWh – ein Drittel mehr.

Warum der Unterschied so groß ist

Der Hauptgrund ist der Luftwiderstand. Er steigt mit dem Quadrat der Geschwindigkeit: Fährt man doppelt so schnell, vervierfacht sich der Luftwiderstand. Das gilt für Verbrenner genauso wie für E-Autos. Doch der entscheidende Unterschied liegt im Wirkungsgrad:

  • Ein moderner Dieselmotor wandelt nur 40–45 Prozent der Energie im Kraftstoff in Bewegung um. Der Rest verpufft als Wärme.
  • Ein Elektromotor erreicht Wirkungsgrade von über 90 Prozent.

Weil der Diesel ohnehin viel Energie verschwendet, fällt der zusätzliche Aufwand für den Luftwiderstand prozentual kaum ins Gewicht. Beim E-Auto dagegen wird fast die gesamte Energie für die Überwindung des Luftwiderstands aufgewendet – und dieser steigt bei hohem Tempo enorm.

Hinzu kommt: Ein Diesel arbeitet bei mittlerer bis hoher Last am effizientesten. Bei 120 km/h im hohen Gang fühlt er sich wohl. Ein Elektromotor hingegen hat über den gesamten Lastbereich einen hohen Wirkungsgrad – aber keinen „Sweet Spot“, der den Mehrverbrauch auf der Autobahn abfedern würde.

Und in der Stadt dreht sich das Blatt

Während der Diesel in der Stadt besonders viel verbraucht (beim Sorento +33 Prozent gegenüber dem kombinierten Wert), glänzt das E-Auto hier mit niedrigen Verbräuchen. Der EV6 liegt in der Stadt 31 Prozent unter dem kombinierten WLTP-Wert. Der Grund: Rekuperation und Nullverbrauch im Stand. Der Diesel dagegen läuft bei niedriger Last besonders ineffizient und verbraucht auch an der Ampel weiter.

Was bedeutet das für den Alltag?

Der kombinierte WLTP-Verbrauch ist für E-Autos ein schlechter Ratgeber, wenn du viel Autobahn fährst. Rechne bei 120 km/h mit etwa 25–30 Prozent mehr Stromverbrauch. Wer häufig Langstrecken fährt, sollte beim Kauf auf einen besonders niedrigen cW-Wert und eine große Batterie achten.

Dafür darfst du in der Stadt mit deutlich niedrigeren Verbräuchen rechnen – ein klarer Vorteil gegenüber dem Diesel.

Fazit

Elektroautos verbrauchen auf der Autobahn mehr als der WLTP-Wert vermuten lässt – das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Physik. Der hohe Wirkungsgrad des E-Antriebs macht den Luftwiderstand spürbarer. Wer das weiß, kann seinen Fahrstil anpassen: Vorausschauend fahren, Tempo moderat halten und die Rekuperation nutzen – dann bleibt der Verbrauch auch auf der Langstrecke im Rahmen.

Bereit für den Umstieg?

Informiere dich vor dem E-Auto-Kauf genau über die realen Autobahnverbräuche. Nutze Vergleichsportale oder Herstellerangaben zum WLTP-Autobahnzyklus – und plane deine Lade-Stopps entsprechend. Mit dem richtigen Wissen fährst du entspannt und effizient.

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Quellen

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